2017-01-03

#712 - gewogen und zu schwer befunden?

am rand meiner filterblase schrieben geschätzte bloggerinnen über körperformen und die grassierende fettlogik-begeisterung und sind davon ganz und gar nicht angetan.

in beiden texten, die ich dazu las, fühlen die schreibenden unbehagen, wut oder unzufriedenheit darüber, dass es in ihrer filterblase derzeit (?) zunehmend (?) um das abnehmen geht.

dazu spekuliere ich jetzt ein bisschen herum: vielleicht spielt in diese welle mit hinein, dass die von den beiden als zu breit empfundene breite begeisterung über die kalorienzählenden abnehmenden daran liegt, dass so viele von uns doch irgendwo mit dem eigenen körper nicht hundertpro glücklich sind. ein schnittmuster, kleidungsstück o. dgl. gefällt vielleicht 10 personen so gut, dass sie einen begeisterten oder auch "nur" positiven kommentar dalassen. mit dem gewichtsverlust können sich aber 20 identifizieren und kommentieren positiv.

(anmerkung: das ist reines rumgemeine, ich gehe da zu einem guten teil von mir selber aus.)

der (ja, leider!) tief verankerte kampf mit dem gewicht dürfte vermutlich etwas sein, bei  dem sich insgesamt einfach mehr mitlesende positiv angesprochen fühlen - und bei dem es auch vielen bekannt sein dürfte, wie zäh dieser weg ist und wie sehr eins sich über schulterklopfen freut. weil positives feedback zum durchhalten motiviert. für die meisten körperform-verändernwollenden ist die veränderung ein elend langer weg, der mit dem erreichen des wunschgewichts eben auch nicht abgeschlossen ist. denn danach beschäftigt eins sich sehr wahrscheinlich weiter mit dem essen, wenn sie-er das gewicht halten möchte.

wir leben eben (leider mag ich nicht sagen) in einer zeit, in der energiedichte nahrung reichlich vorhanden und leicht zu erlangen und schweres, körperlich anstrengendes tun selten geworden ist. da ist es nicht einfach, einen weg zu finden, mit dem ich meinen individuellen körper so füttere, bewege und kleide, dass ich mich dauerhaft damit großartig fühle (innen drin wie auch beim draufschauen).
vermutlich war es früher genauso schwierig, nur eben in die andere richtung - da mussten die leute sich gedanken machen, wie sie satt wurden. auch nicht einfacher ...

in summe: ich kann den grund des unbehagens nachvollziehen: es ist auch für mich unerfreulich, mit der nase auf etwas geditscht zu werden, das mir persönlich weh tut.
andererseits glaube ich aber, dass das individuelle missfallen der beiden schlicht mit dem ebenso individuellen freuen der anderen (hobby!-)bloggenden  kollidiert. die meisten von uns lassen ja in ihr geschriebenes sehr viel persönliches mit einfließen. was vermutlich einer der gründe ist, dass wir alle gern (hobby)blogs lesen.

ende des rumgemeines.

1 Kommentar:

DasSan hat gesagt…

bei tumblr stoße ich oft auch aufs gegenteil mit dieser "fat positive" bewegung. das ist auch irgendwie fragwürdig, wenn wirklich stark übergewichtige personen steif und fest behaupten, total gesund zu sein und keine körperlichen einschränkungen zu haben bzw. wenn doch, dann ist es eben so und wehe, es sagt jemand was dagegen.
man sollte doch auf seinen körper achtgeben und es sowohl mit dem abnehmen als auch mit der körperfülle nicht übertreiben.