2016-11-14

#705 – Running wild

Heute gab es bei mir Größtalarm: Meine Plüschmamsell hatte sich unterm Zaun durchgegraben. Unerwartete Talente. (Und ich Dussel placke mich mitm Spaten im Garten ... Hättse mir das nicht eher mitteilen können?) 

Ich hatte in meiner Not auch gleich den Gatten angerufen, der im Moment grade in Weitweitweg aufm Gletscher sitzt. Der wollte mir nun schnellstens Hilfe zukommen lassen und sagte sogleich dem R. Bescheid, der mit zwei weiteren Mannen im lauten Pickup bei mir einritt. Nun steht Madame GAR nicht auf Lärm und auf Fremde, und sie hat den R. das letzte Mal vor Ewigkeiten gesehen. Dass das zum leichteren Einfangen nicht beitragen würde, stand im Prinzip dran. Aber andererseits poltere ich ja Leute nicht an, die zum Helfen gekommen sind. Und die drei hatten ja nun wirklich nur die besten Absichten (nur leider auch keine Ahnung). Quintessenz: Madame, die vorher noch in unmittelbarer Nähe des Geheges saß, wo ich sie sehen konnte, verdünnisierte sich und ward nicht mehr gesehen. 

Es schloss sich eine längere Session aus Telefonaten an. Polizei und Veterinäramt mussten informiert werden: Wenn Spaziergänger am See Sichtungen eines Leoparden oder so was melden, sollten die Leutz von der Rennleitung wissen, was davon zu halten ist, und mich ggf. informieren. Dann einen TA mit Betäubungsgewehr, noch ein Anruf vom Veterinäramt - die riefen mich an und hatten einige sehr gute Tipps zum Wiedereinfangen – Nachbarn, die sie gesehen haben könnten, mein Futterlieferant, der ausgerechnet heute lieferte und mit dem die Abholung organisiert werden musste, die Familie, die das auch mitbekommen hatte, das volle Programm. Zwischendrin viele, viele Runden, die ich rufend durchs Viertel drehte. Und mein Herz wurde schwerer und schwerer, aber Abklappen und Heulen ging nicht, denn wer hätte denn dann weitergesucht. 

Gegen 7 brach ich zur x-ten Such-und-Ruf-Runde auf und nahm ein weiteres Mal die Thujahecke im Nachbarsgarten zum Ausgangspunkt der Runde.
Merke: Katzen sind sehr standorttreu und möchten i.d.R. eigentlich nur wieder nach Hause, in vertrautes Gelände. Dank der Taschenlampe „verriet sich“ Lasercat – heißt, ich konnte ihre leuchtenden Augen sehen und auch, dass sie mich ansah. Ich kniete mich hin und krabbelte sachte an sie ran, dabei mein aller-beruhigendstes Beruhigungspurren purrend. Sie fauchte zu Anfang sehr und hatte giGANtische Angst, ließ mich aber dicht an sich herankommen. Zunächst dachte ich darüber nach, ihr meine Jacke überwerfen zu wollen, verwarf die Idee aber wieder. Erstens wäre sie sicher zu schnell gewesen und ausgewichen und zweitens danach weggeflitzt. Und ob ich sie dann a) gefunden hätte und b) noch mal dicht genug an sie rangekommen wäre ... Blöde Idee. 

Ich hielt ihr stattdessen ein Stück Hähnchenschenkel hin. Das schlug sie mir heftig aus der Hand und schlug gleich noch mal und noch mal zu, aber mit abnehmender Intensität und leiser knurrend. Ich rückte ein Stück vom ihr ab, redete ihr weiter leise gut zu und hielt ihr ein weiteres Stück Fleisch hin. Das Knurren hörte auf, sie entspannte sich etwas. Ich rückte noch ein Stück weiter weg - und sie folgte mir! Laaaaanggestreckter Hals, das Fleisch konzentriert im Blick, immer mal grollend und nach wie vor nennenswert misstrauisch, aber sie folgte. Jubelundhüpf machten sich in meinem Herzchen breit. Ich rückte einen weiteren Schritt zurück. Sie folgte. Und noch einen. Sie folgte. Und einige weitere. Zu schnell zu viel gewollt, sie war wieder an die Bäume zurückgekehrt. Verd...! Aber weiteres Gewackel mit dem Fleischstück und zwei Mal tief durchatmen und mich selbst zur Ruhe zwingen, und sie kam wieder näher. Und folgte mir dann durch den Garten und bis zum Gehege. Das Stück Fleisch flog durch die Tür, Madame flitzte hinterher, Tür zu, ERLEICHTERUNG!!! 

Eilends sauste ich noch um das Gehege und verschloss die Grabung mit ein paar Betonsteinen. Währenddessen war die Plüschmadame damit beschäftigt, ihr Fleisch zu vertilgen. 
Als ich ins Gehege kam, sauste sie aber sofort zur Grabungsstelle - doof ist sie nicht. Und was knurrte sie heftig, als ich mich ihr näherte ... Aber eine demütig dargereichte Gabe von warmem Hähnchenfleisch stimmte sie milde, und sie nahm mir das Stück (und alle weiteren) vorsichtig aus der Hand. Später kam sie von sich aus ins Haus - Tschakka! -, denn die Klappen waren schon alle auf Hausarrest gestellt. Und eben gerade kam sie zum Schreibtisch, lehnte sich kurz an meine Beine, machte „Mrrrr?“ und legte sich wieder auf dem Sofa nieder. 

Fazit: Meine Madame vertraut mir dann eben doch sehr tief *groooßes, groooooooßes Glücksgefühl*

Morgen kommen zwei Tonnen Grobkies, mit denen ich erst mal weiteres Ausgraben verhindern kann. Richtige Randsteinkanten verlegen wir dann, sobald wir sie haben. Der R. wird mir helfen, morgen besprechen wir, wie wir die Geschichte jetzt so sichern, dass bis auf Weiteres nichts mehr passieren kann. 
Die Katzen haben nun erst mal "Hausarrest", was sie alle eher minderspaßig finden, aber da müssense jetzt durch. Noch so ne Jagd muss ich nicht noch mal haben. 
Sternchen liegt unterdessen bereits pennend auf meinem Sofa. Die ist genauso k.o. wie ich auch :) 

Aber Wahnsinn, wie sehr einen so heftiger emotionaler Stress schafft! Ich bin schlagkaputt, so, als hätte ich eine knüppelharte MTB-Runde in den Bergen hinter mir. Alt werd ich heute nicht mehr! Gegessen hab ich grade ne Kleinigkeit, und heute werd ich mir nen Whiskey gönnen, und dann fall ich ins Bett. 

Ich bin mir absolut nicht mit mir selbst einig, ob diese komplette Nummer nun als GAU, passend zu 2016 gesamt, oder als Größt-Glücksfall zu werten ist. 

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