2016-09-12

#686 - spätsommerwochenende

So, auch dieses Wochenende ist wieder um und der Montag hat mich wieder.

Das Wochenende selbst war ... seltsam. Nachdem der Gatte mit seiner Planung mal wieder nicht um die Ecke gekommen war, wusste ich nicht, ob er nun den Enkel am Samstag holen würde oder nicht. Entsprechend mochte ich nicht darauf warten, dass er sich festlegt, und plante ohne ihn. Auf Nachfragen am Freitagabend (aber auch erst da) erfuhr ich, dass er den Enkel nicht holen würde, da er nicht sicher wusste, ob er den Samstag ganz oder in Teilen in der Firma verbringen müsste. Es stellte sich heraus: er muss nicht, hätte also folglich Zeit gehabt. (Theoretisch.)
Nun hatte ich aber bereits für den ersten Teil des Tages Restaurierungsarbeiten an meinen Krallen geplant. Die waren auch bitter nötig. Nachmittags wollte ich auf jeden Fall aufs Rad – da war es nun kein Problem, den Gatten mitzunehmen :D

Der Gatte kümmerte sich während meiner Restaurierungsarbeiten um diverse Einkäufe und fuhr dann doch auch nochmal in die Firma. Kurz nach eins war ich fertig und konnte mich mit der Essensvorbereitung für diesen und den Folgeabend beschäftigen. Ein absolut gigantisches Riesenhähnchen (>3 kg küchenfertig!) wollte zerteilt, „gesalbt und geweicht“ (ein Teil mit Würzmischung eingestrichen, der andere in einer Malzbiermarinade eingelegt) und im Sous-vide-Garer schwimmen gelassen werden. Und so geschah es auch. Und ging überraschend fix.

Danach hätte es eigentlich aufs Rad gehen sollen. Allerdings hatte auch hier der Gatte wieder Diverses abgesprochen, ohne mir Bescheid zu sagen. (Gnah!) Und so warteten wir dann zunächst auf den A., der ein getestetes Fahrrad zurückbringen, und auf die K., die auch noch irgendwas Fahrradbezogenes wollte.

Nun empfinde ich die K. als ziemlich anstrengend und ihre Art der Kommunikation als ... nun, zumindest unklar. Sie haut irgend eine Garstigkeit aus, und wenn die Umgebung dann komisch guckt, sagt sie, haha, war nur Spaß. Ich glaube ihr das schlicht nicht — und es (und sie) geht mir auf den Zünder. Fieserweise geht sie mir dann aber stundenlang nicht aus dem Kopf, und ich denke ewig an ihrem Gesagten herum. Das nervt mich ja „fast gar nicht“ ...
Für mich hatte sie einige Kleidungsstücke mitgebracht, in die sie nach eigener Aussage nicht mehr hineinpasst. Ihre Vermutung war, dass mir das was sein könnte, da wir im selben Klamottenladen einkaufen. Obenauf lag ein Teil, bei dem sie mich sehr eindringlich darauf hinweisen musste, dass das unbedingt dringend gleich aufgehängt werden müsse, weil es sonst Falten bekäme, und halb verschwörerisch hinterhergeraunt, das sie es ja am liebsten selbst behalten würde. Erst mal fand ich dieses „im Vertrauen“-Gepose daneben. Und dann dachte ich mir, ja, wenn Du es so liebst, warum tust Du es dann nicht und behältst es einfach? Ich möchte dir nun wirklich nicht dein Kleinod vom blutenden Herzen reißen ...
In der Summe fühlte sich das Ganze für mich nach einer Mischung aus „unter uns Busenfreundinnen“  (WTF?) und dem Versuch an, das teure Fahrrad wenigstens teilweise zu refinanzieren.
Das „darf auf keinen Fall knautschen“-Kleid erwies sich als bronzefarbene Scheußlichkeit mit Rüschen, Glitzersteinen und Spitze, für die ich mindestens 20 Jahre zu jung bin. Auch der Rest ist überhaupt nicht meine Kragenweite. Zu viel Chichi, zu viel Glitzer, und ungefähr das Gegenteil von schnörkellos. Das kann ich ihr ohne jede Seelenregung entspannt wieder in die Hand drücken. Zumal ich mir ziemlich sicher bin, dass wir uns über einen Preis nicht einig geworden wären.

Als der Gatte und ich dann endlich auf den Rädern saßen, war vier Uhr durch.

Ursprünglich hatten wir vor, Richtung Stadt zu fahren. Da aber Fußball, ein Straßenfest und noch irgendein Ereignis zusammentrafen, rechneten wir damit, dass „der Himmel und die Schmidten“ unterwegs sein würden, und unterließen das. Es wurde also nur die übliche Zweiseenrunde. Die war durchaus unterhaltsam und machte Spaß, allerdings hatte ich an einigen Stellen fahrerische Schwierigkeiten, an denen ich das nicht erwartet hatte.

Nach dem Zurückkommen warfen wir alsbald den Grill an und die erste Hälfte des sous-vide vorgegarten Riesenhähnchen darauf. Zusammen mit ein bisschen gekauftem Salat und ein paar Tomaten aus eigenem Anbau ein fabulöses Abendessen.

Später saßen wir noch in der lauen Abendluft und lasen das Internetz leer.

Für den Sonntag hatten wir eine Radrunde im Lieblingsrevier geplant. Schon beim Aufstehen merkte ich aber, dass ich ziemlich schwere Oberschenkel hatte und mich insgesamt nicht hundertpro auf der Höhe fühlte. Das bewahrheitete sich am Rabenberg denn auch deutlich. Ich kam die einfachsten Abfahrten nicht runter, fühlte mich lausig und war fürchterlich frustriert. Der Gatte stand dem Ganzen völlig ratlos gegenüber. Wir entschieden uns dann, die Runde nicht abzubrechen, sondern auf deutlich einfacheren Strecken weiterzufahren. Der Gatte machte immer mal Abstecher auf die Singletrails, die am Wege lagen, während ich die geschotterten Waldautobahnen herunterrollerte. So kam ich dann doch noch zu meiner Bewegung, der Gatte zu einer Menge Fahrspaß und wir beide zu einem halbwegs gelungenen Sonntag. Mit dem letzten Anstieg (400 Höhenmeter auf 4 km) kämpfte ich gewaltig. So etwas ist für mich im Normalfall schon durchaus anstrengend. Aber so im Eimer wie gestern bin ich nach 400 Höhenmetern sonst eigentlich nicht. Also ist wohl doch irgendwas im Busch, und ich werde in den nächsten Tagen sehen, um was es sich dabei handelt. Ich hoffe nur, ich werde nicht krank.

Abends hing ich durch wie ein Schluck Wasser in der Kurve und versprach mir ganz fest, gleich ins Bett zu gehen und nicht erst wieder bis Mitternacht zu trödeln. (Ha, ha. Wie das so ist mit dem Weg zur Hölle und den guten Vorsätzen.)
Die zweite Hälfte des Riesenhähnchens, die in einer Malzbiermarinade 6 Stunden im 60° heißen Wasser schwimmen durfte, wanderte dann auch auf den Grill und war eine kulinarische Offenbarung. So gut hat mir in meinem Leben noch nie ein Grillhähnchen geschmeckt. Auch der Gatte war völlig begeistert. Das werden wir auf jeden Fall wiederholen — und dem edlen Spender auch ein solchermaßen behandeltes Tierchen vorbeibringen.

Nach dem Essen saßen wir noch eine ganze Weile draußen, beobachteten unseren Gartenigel und gingen gegen zehn nach drinnen. Blöderweise machte ich den klassischen Anfängerfehler und las in meinem Roman „ein Stück“ weiter. Prompt war es dann doch wieder kurz vor zwölf, als ich das Licht ausschaltete.

Heute fühle ich mich körperlich schlapp, so richtig das, was man für den Start in eine neue Woche dringend braucht. Passend dazu finden draußen auch gleich wieder 30 °C statt. Einerseits großartig, ich liebe Sommer-Sonnenschein, andererseits garstig, denn bei den Temperaturen denkt es sich ziemlich schlecht geradeaus. Egal, ich werde das jetzt trotzdem versuchen und mich an mein terminologisches Tagewerk stürzen.

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