2016-05-11

#669 - feuer statt feier.

statt einer netten feier meiner einundvierzigwerdung gab es ab samstag abend feuer. und zwar richtig. in der firma des liebsten, besten ehemanns ist eine halle in flammen aufgegangen. die rauchsäule war bereits am rand des l.er zentrums  zu sehen. das sind geschätzt 15 km.
apokalyptisch.
in der nacht tobte der brand mit rasender gewalt, zeitweise waren um die 80 feuerwehrleute im einsatz, dazu unzählige polizisten und - zum glück nur prophylaktisch - zwei notarztfahrzeuge.
die löschteiche in der firma waren noch in der nacht leer – tausend kubikmeter wasser! weg. nicht ausreichend.
lange war nicht klar, ob das containment ausreicht oder ob die flammen auf benachbarte gebäude und lager übergreifen würden. und während draußen die löscher löschten, waren drinnen ein paar todesmutige - darunter mein liebster - im einsatz und räumten so viel material wie möglich aus der halle, um es vor den flammen zu bewahren. unter voll-atemschutz und am rand einer halle, deren dach bereits teilweise eingestürzt war.
gut, die sind alle schon groß und mithin selber zu einer risikoabschätzung in der lage. im normalfall. aber wie normal ist ein großbrand? und ein normalsterblicher, der nicht jeden tag mit bränden und ihren auswirkungen auf die statik von lagerhallen befasst ist, wie gut kann der abschätzen, wann es wirklich gefährlich wird? also über das maß „in eine flammende lagerhalle hineinfahren und brennbares material herausholen“ hinaus?
fakt ist jedenfalls, ich hatte einen heidenschiss um meinen liebsten. ich trat daheim schneisen ins parkett, während er draußen buchstäblich in todesgefahr koordinierte, organisierte und material aus der brennenden halle baggerte.
von einem dachfenster hatte ich freien blick auf die szene, es sind ja nur wenige hundert meter bis rüber. es sah aus, als hätte sich das tor zur hölle aufgetan.
ein löschzug nach dem anderen rollte herbei, und was ich wirklich, richtig verstörend finde: es rollten auch die gaffer an. in hellen scharen. eine karawane der sensationsgeilheit. sogar familien mit kindern reisten eigens (auf dem rad!) an, um sich ein auge voll flammendes inferno zu holen. die schwarzen wolken und der beißende rauch hielten diese flachzangen nicht vom gaffen und filmen und fotografieren ab.
wir waren im zentrum, als mein liebster den katastrophenanruf bekam. auf dem weg raus stand an der ampel eine gruppe moppedfahrer neben uns. man diskutierte irgendwas - und ratet, wer etwa eine halbe minute (!!) nach uns in die x.-straße einbog? richtig. die halbhirne.

da stehst du in heller panik vor dem feuer, das deine existenz in frage stellt oder eventuell vernichtet. und diese beschissenen hackfressen stehen da rum, gaffen, filmen/knipsen, feixen sich einen und blockieren den rettern die zufahrt. zeitweise gab es stau bis zur nahe gelegenen autobahnausfahrt. die löschfahrzeuge mussten sich also durch einen fetten gafferstau wühlen. die gesamte querstraße war bis zur hauptstraße voller glotzer. irgendwann sperrte die polizei beide querstraßen dann ab.
ein besonders idiotischer heckenpenner kletterte über das tor der feuerwehreinfahrt, um von hinten auf das firmengelände zu kommen und fotografieren zu können.
das muss man sich mal vorstellen: vorne fährt der katastrophenschutz rum und weist die leute an, in ihren häusern zu bleiben und fenster und türen zu schließen, weil man nicht weiß, was alles in der tiefschwarzen stinkewolke drin ist, und hinten kommen die vollassis an und müssen ganz dicht ran ans geschehen, um ihrer sensationsgeilheit frönen zu können.

alter falter.

die halle ist komplett im eimer, vom material konnte eine erfreulich große menge gerettet werden. die von einer „zeitung“ mit besonders großen buchstaben beschworene giftgaswolke war gottlob keine. und es gab keine unmittelbar vom oder durch den brand verletzten.

und das beste, wichtigste für mich: ich hab meinen liebsten heil und in einem stück wieder. ich hoffe nun, dass er dem nun folgenden stress auch standhält ... ich für mein teil bin dem aus-den-latschen-kippen jedenfalls bedrohlich nahe.

heute, am tag 4 nach brandausbruch, brennen die reste immer noch. ganz gelöscht werden kann das wohl erst, wenn die mauern nicht mehr stehen. das soll wohl morgen geschehen.

die kripo war bereits vor ort, um die brandursache zu ermitteln. die sachverständigen sind auch bereits (weitgehend? komplett?) durch.
nun sind die versicherer dran, und da ist es genau so hochdramatisch wie in der samstagnacht. mit ihrem verhalten steht und fällt die weitere existenz der firma. dazu noch ein bisschen bankentheater, nix neues aus der richtung. und zu allem überfluss hat die kollegin bei der meldung des besonderen vorkommnisses einen möglicherweise verheerenden fehler gemacht und ihre mengenschätzungen da eingetragen. die das u.-amt nun für bare münze nimmt.

wie es nun weitergeht, das weiß der himmel.

mein twitterstream der nacht. (warum bei manchen von den tweets die schriftgröße so ausreißt, weiß ich nicht.)








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