2016-04-08

#663 – dorfpomeranzentaufe erfolgreich bestanden

vorgestern und gestern war ich beim schlachten eines jungen bullen dabei und nennenswert beteiligt. war nicht schlimm, nicht eklig und alles in allem ein spannendes erlebnis. vorgestern wurde gustav geschossen und zerlegt, gestern habe ich ihn verpackt.
im grunde ist das die beste art für ein zum essen gedachtes nutztier, aus dem leben zu scheiden. er hatte die nase in einem ballen frischem heu, als ihn die kugel des jägers aus nächster nähe traf. den knall hat er vermutlich nicht mal mehr gehört.
ausbluten, abziehen, ausnehmen habe ich als handlanger miterlebt. heißt, nur beim abziehen und drehen habe ich mit anfassen können. alles andere haben die beiden fleischer allein und routiniert gemacht, da hätte ich im weg gestanden. ich hab nur den spülschlauch bedient und messer und sonstiges werkzeug angereicht.
beim zerlegen habe ich aber helfen können, denn all die ganzen kleineren abschnitte wollten zu gulasch geschnitten werden. da war ein zusätzliches paar hände (meins) mit einem scharfen messer durchaus praktisch.
dabei habe ich festgestellt, dass ich zwar nicht so schöne glatte schnitte kann wie die fleischer (noch nicht ...). aber das, was sie geschnitten haben, hätte ich ähnlich gemacht. haben sich die biokenntnisse (anatomie der säugetiere) doch bezahlt gemacht ...
gestern dann wurden die rouladen geschnitten (157 stück *yummi*), die knochen zersägt - und dann habe ich 4 stunden fleisch einvakuumiert. am ende war gustav in 7 boxen und in schätzungsweise knapp 200 tüten verpackt. erstaunlich, wie kompakt das alles wird. und wie wenig übrig bleibt. das einzige, was wir nicht verarbeitet haben, weil kein bedarf bestand, waren die därme. und den kopf wollte natürlich der amtstierarzt mitnehmen.
die ersten teile haben wir auch schon aufgegessen. am mi-abend gab es für mich leber mit zwiebeln, und gestern hatten wir herz und zunge sous-vide gegart in einem tomatensößchen und waren wieder sehr angetan.
ich muss mal die anderen fleischabnehmer fragen, ob sie schon was davon gegessen haben, und wie sie das fanden.

in summe darf ich mich jetzt mit fug und recht als angewachsene dorfpomeranze bezeichnen:
garten: check!
gemüseanbau: check!
schlachten ohne kotzen: check!
öfter in flachen schuhen unterwegs als in heels: check!
nur den zweifelhaften musikgeschmack der nachbarn teile ich nicht :D

Kommentare:

Felis hat gesagt…

Habe oft darüber nachgedacht: Als Selbstversorger wäre ich beschränkt auf Huhn und Fisch, vielleicht noch Wild. Hatte ich engen Kontakt zu einem Tier, geht mir das Abstraktionsvermögen flöten, das für eine pragmatische Haltung nötig ist. Aber ich finde es richtig gut, wenn man sich der Nahrungs- und Verwertungskette bewußt ist (da bist du wirklich konsequent, Chapeau!)

hühnerschreck hat gesagt…

ich war selber auch ganz überrascht von mir selbst, dass mich das so wenig mitgenommen hat. aber gut, zu den beiden jungen bullen habe ich nie ein schmusetierisches verhältnis aufgebaut, mir war vollkommen klar, dass wir die essen werden. wie das bei einem mit deutlich mehr kontakt zu mir gehaltenen tier wäre, kann ich derzeit nicht abschätzen.