2016-01-25

#648 - urlauuuuub, teil 3

den fr verbringen die lieblingsschwester und ich ziemlich komplett damit, miteinander zu reden. sie hat an vielen stellen eine deutlich andere sicht auf die welt. ich stelle mal wieder fest, wie sehr mir der regelmäßige, mündlich-persönliche austausch mit ihr fehlt. zwischendurch gehen wir kurz raus, um ein paar dinge einzukaufen. ich sehe zum ersten mal, wie eine packstation funktioniert. wieder was gelernt, ha! ich kreppe mich ein bisschen, weil ich meine neuen spikesstiefel nicht angezogen habe. auf den gut glatten wegen ist es teilweise ein ordentliches rutschen und schlittern. das gedenke ich auf dem weg zum resto zu ändern.

abends haben wir einen tisch beim japaner bestellt. das resto kennen wir bereits, man isst dort wirklich gut, und ich mag das ambiente dort. es gibt eine kaiten-bar, einen normalen restaurantbereicht und zashiki. das sind abgetrennte zimmer im japanischen stil, mit reispapierwänden und diesen ganz flachen tischen, an denen man kniend essen kann, wenn man kann. alternativ kann man auch „normal“ (=westlich) sitzen und die beine in vertiefungen im fußboden unter dem tisch stecken. die schuhe werden (natürlich!) vor dem eingang zu diesen zimmern ausgezogen und vom bedienpersonal in ein schränkchen verräumt. wenn man gezahlt hat, räumen sie die wieder hin.
eigentlich haben wir einen „normalen“ tisch im offenen restaurantbereich bestellt. da dieses aber voll ist, bekommen wir das größte zashiki, das mit einem raumteilerchen für uns und eine gruppe japanerinnen am anderen ende des sehr langen tisches unterteilt wird.
im lauf des essens spähe ich immer mal möglichst unauffällig hinüber, weil ich gern wüsste, ob die japanerinnen alle auf den untergeschlagenen beinen sitzen, und wie sie das sushi essen. kein glück bei beidem – die eine, die ich sehen kann, wechselt die sitzposition, und der tisch wird vom raumteiler effizient verdeckt.
unser essen ist auch dieses mal wieder ganz wunderbar. wir schwelgen in edamame, diversen sushi und daifuku. dazu gibt es jasmintee und hinterher warmen pflaumenwein für die lieblingsschwester und mich und heißen sake für den lieblingsschwager.

und nun folgt der unerfreuliche teil.
wir sind ungefähr zur selben zeit mit essen und bezahlen fertig wie die japanerinnen nebenan. um nun ein großes gewühl beim schuhe-anziehen zu vermeiden (die japanerinnen sind zu siebt oder acht), warten wir einen moment, bis sie gegangen sind.
als wir hinauskommen, stehen dort die schuhe von schwester+schwager – und ein paar sehr runtergerittener, schwarzer nylonhalbstiefelchen ca. in größe 36. meine nagelneuen winterstiefel mit spikes (ja, genau die, die ich am mi. gekauft habe) fehlen.
ich sehe zunächst unter den stühlen nach, dann im schrank. nichts. dann suchen wir zu dritt. das  bedienpersonal kommt, weil man unsere bewegung bemerkt hat. auch sie suchen und prüfen alle schuhe – erfolglos. mittlerweile steht der komplette service inkl. restaurantbesitzerin um uns herum.
es ist allen zutiefst peinlich, das sei in 14 jahren das erste mal, dass das passiert sei. die japanerinnen hatten beim reservieren auch keine tel.-nr. hinterlassen. das erweist sich jetzt als besonders ungünstig.
(daher weiß ich überhaupt nur, dass es japanerinnen waren – weil eine der servicekräfte das sagte.) die chefin leiht mir ein paar wintertaugliche stiefel von sich, die nicht nur von der größe, sondern sogar vom stil her passen. (allerdings ist mir der stil in dem moment ziemlich egal.) 
somit ist wenigstens der heimweg abgedeckt. anderenfalls hätte wir auch noch ein taxi von tür zu tür gebraucht, was den nun schon fies teuren abend noch teurer gemacht hätte. bis zu diesem moment versuchen wir alle, uns das als versehen schönzureden. auch wenn im tiefen inneren meines herzens ein leises stimmchen spricht, na, das war ein guter tausch für die ... meine brandneuen schuhe gegen die abgeranzten botten hier. schönen dank auch. 
was auch nicht zum versehen passt: meine stiefel sind etwa drei nummern größer als die dagebliebenen. und sie haben spikes. beides ist wirklich das haptische pendant zu „unübersehbar“.

fazit: stiefel weg – und für garderobe haften restos ja grundsätzlich nicht. schön blöd für mich … auch die lieblingsschwester und der -schwager sind ziemlich angefressen. ich schwanke zwischen lachen und fluchen. 
das winzige fünkchen hoffnung auf ein versehen erlischt am folgetag, als sich niemand im resto meldet und die „versehentlich“ mitgenommenen stiefel wieder gegen die eigenen tauschen möchte. 

das thema ist natürlich am sa. recht beherrschend bei uns. zwischendurch müssen die lieblingsschwester und ich grinsen, weil wir beide beim durchsehen der vorhandenen schuhe gedacht hatten, die chefin-stiefel (schwarze leder-halbstiefel mit quadratischen nieten besetzt) wären die einzigen, die auch optisch einigermaßen meinem outfit entsprächen.

die lieblingsschwester und ich beschließen, dass wir etwas bewegung brauchen, und wir gehen ihre laufrunde. eine schöne runde, die mit dem schnee noch hübscher aussieht. ich bin mit einem paar von ihr geborgten docmartens unterwegs bin, die mir griffiger und weniger empfindlich scheinen als meine schuhe. das erweist sich als blöde idee: ich laufe mir beidseitig fette blasen, von denen eine auch prompt aufgescheuert wird. so tausche ich wieder schuhe mit der lieben, lieben schwester und bin sehr froh, dass sie nicht auf mich sauer ist.

abends kochen wir, es gibt mit hackfleisch gefüllte krautwickel auf syrische art, die der lieblingsschwager und ich superlecker finden, die lieblingsschwester leider wenig – zu hammelig das fleisch. wir werden trotzdem alle satt. hinterher spielen wir alle zusammen miteinander und gegeneinander quizduell. das ist richtig lustig, weil wir alle drei dazu neigen, die fragen zu kommentieren (und dabei schon auch mal die lösung herauszuplatzen). was natürlich nur so mittelclever ist, wenn der mitspieler einem gegenüber sitzt ;)
der vater ist virtuell dabei, den machen wir alle drei nass :)

auch an diesem tag schlafe ich tief und traumlos.

teil 4 wird die rückfahrt, die kommt später.

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