2015-11-23

#636 – nachdenklich, mal wieder

gestern waren die x. und der y. auf stippvisite und so hatte ich die gelegenheit, mal wieder ein klein bisschen ausführlicher mit beiden zu reden. dabei kamen wir – wenig überraschend – auch auf die derzeitige lage in schland. der y. erzählte von seiner arbeit, und mich überkam das blanke entsetzen.
der y. stellt – unter anderem – täglich zweihundertfünfzig essen für geflohene bereit, bestellt und beauftragt von dem amt, das dafür zuständig ist. kürzlich wurde er von ebendem amt gefragt, ob er nicht vielleicht tausend statt der zweihundertfünfzig essen machen könne.
und nun kommt das, was mich frieren machte.
er saß also neulich in bei einer amtsperson in ebendem amt und teilte mit, dass er nicht nur keine tausend essen täglich bereitstellen könne, sondern sich auch gezwungen sehe, die belieferung ende der woche einzustellen. weil er seine rechnungen nicht bezahlt bekommt.
ob er ihr drohen wolle, fragte die amtsperson. nein, natürlich nicht, sagte der y., er stelle nur fakten fest. es seien mehrere zehntausend euro an rechnungen nicht bezahlt, und er könne es sich nicht leisten, das unbegrenzt weiter zu betreiben. immerhin müssen sein personal und die lieferanten bezahlt werden. das sei sein unternehmerisches risiko, fand die amtsperson. je nun, erwiderte der y., das sei wohl wahr, aber aus genau dem grund entscheide er sich dafür, den auftrag nun lieber auslaufen zu lassen.
ob er sich morgen als kaltherziger deutscher in der zeitung wiederfinden möchte, fragte die amtsperson.
er weise die amtsperson noch einmal darauf hin, dass er das gespräch aufgezeichnet habe, stellte der y. fest.
anderntags wurde ein (kleiner) teil der rechnungen angewiesen. der y. liefert also weiter. bis auf weiteres. er macht sich keine illusionen, was die komplette bezahlung der rechnungen angeht.

anmerkung eins: das amt bekommt zunehmend schwierigkeiten, caterer aufzutreiben, die noch kochen, weil es außenstände bei den caterern hat, dass einem die augen tränen. dito bei leuten, die wohnraum zur verfügung stellen. und betten und zubehör. usw. usf. 

anmerkung zwei: naTÜRlich habe ich all das oben gesagte erstunken und erlogen. die behörden in schland sind alle super-effizient, dem bürger verbunden und immer um ein gutes sozialklima bemüht.


Kommentare:

arboretum hat gesagt…

ob er sich morgen als kaltherziger deutscher in der zeitung wiederfinden möchte, fragte die amtsperson.

Was für eine dumme Drohung der Amtsperson. Das Amt muss doch damit rechnen, sich früher oder später als säumiger Zahler, der Unternehmen systematisch in wirtschaftliche Schwierigkeiten bringt, in der Zeitung wiederzufinden. Da braucht nur einer der Caterer mal den Medien den entsprechenden Hinweis geben und die anderen ebenfalls den Mund aufmachen. Dann bekommt diese Amtsperson und die Amtsleitung Ärger, denn das fällt auch dem zuständigen Senator oder Dezernenten auf die Füße.

hühnerschreck hat gesagt…

mir blieb ob dieser bemerkung auch erst mal der mund offen stehen. zumal es ja durchaus ein leichtes sein dürfte, andere firmen zu finden, denen das amt ähnlich mitspielt.
nur: was dann?
die systematik der armen-aber-sowas-ähnliches-wie-attraktiven stadt dürfte einigermaßen schlecht nachzuweisen sein, und dann greift ja auch wieder das unternehmerische risiko, vulgo „pech gehabt, wenn ihr so doof seid und uns glaubt“.