2014-10-27

#544 - gruß aus der vergangenheit

am we war ich zum klassentreffen nach 20 jahren in der alten heimat. also nicht hauptsächlich deswegen, sondern hauptsächlich, um meine freundin dee und mann im neuen domizil zu besuchen. dass an dem we nun ebenfalls das klassentreffen stattfand, war eine begleiterscheinung, und hätte ich nur auf mein bauchgefühl gehört, wäre ich nicht hingegangen. (und hätte was verpasst, ei der daus.)
die anreise gestaltete sich unterhaltsam anders als sonst: normalerweise mach ich das rechte bein lang und seh zu, dass ich so schnell wie möglich am zielort ankomme. diesmal durfte ich jedoch nicht vor einer bestimmten uhrzeit ankommen. ich hatte aber wegen der langen strecke (>450 km) keine ahnung, wie lange es dauern würde und wollte ebenfalls nur ungern mitternächtens ankommen. also abreise gegen 15:30 und tempomat auf max. 150. in der kasseler gegend war es mal kurz richtig voll, und dann auf dem letzten stück, der a1 hinter dortmund, ebenfalls. da waren 100 km/h schon das schnellste. in summe habe ich brutto (inkl. kaffeepause) 4:45 gebraucht. das ist - verglichen mit den mindestens 5 stunden früher über die alte strecke - rasend fix. und überraschend spritsparsam: 8,2 liter im schnitt. da war ich platt!
der abend verlief höchst angenehm bei einem sehr guten essen und ebenso guten gesprächen. es ist erstaunlich: ich sehe die beiden höchstens einmal im jahr, und trotzdem brauchen wir keine anlaufzeit, um sofort wieder miteinander warm zu sein. das ist toll.

am sa.-abend fand dann das klassentreffen statt. das wetter war so richtig r.-typisch: unangenehm nasskalt mit feinem nieselregen auf der hinfahrt und dichtem nebel auf der rückfahrt. bäh! auch die stadt zeigte sich von ihrer allertypischsten seite. die war ja schon damals nicht gerade eine schönheit. heute nun darf man sie durchaus ein mausetotes drecksnest nennen. alter falter, was ein abgeranztes kaff! lustigerweise fanden das exakt alle ehemaligen klassenkameraden/-innen, mit denen ich redete. selbst die, die dort noch familie und die stadt insgesamt in weniger schlechter erinnerung haben als ich. erstaunlich ist das aber nicht: die stadt lebte seinerzeit von der metallverarbeitung und werkzeugherstellung. viele mittelständler haben die letzten beiden jahrzehnte mit den krisen nicht gut oder gar nicht verkraftet - und das sieht man der stadt halt an.

das treffen selber war für mich eine totale überraschung. etwa die hälfte der jahrgangsstufe war gekommen - und fast alle hatten sich ganz nennenswert zu ihrem vorteil verändert. war das 10-jährige treffen noch von schwanzvergleichen, lästereien und ressentiments (naTÜRlich auch von meiner seite) geprägt, waren die leute (mich eingeschlossen) diesmal fast alle total tiefenentspannt. unglaublich. viele sind eltern, die meisten von ihnen mindestens zweifach, die reaktionen auf kinderlosigkeit waren ebenfalls total entspannt. ich unterhielt mich lustig und angeregt mit sehr vielen, war ganz platt, dass ich so viele sofort wiedererkannt habe (wir haben uns immerhin 10 jahre nicht gesehen) und hatte in der summe eine menge zu lachen und VIEL spaß!
zwei oder drei der mitschüler habe ich nicht gleich erkannt. die zwei lautesten mädels beschallen nach wie vor mühelos fußballstadien, der bezirksbesamer (dank an kittykoma für den grandiosen begriff!) ist sich selbst treu geblieben, das arschloch auch, aber anders als beim letzten mal war es diesmal unglaublich amüsant.
ich denke, ich werde einigen mailen. und selbst wenn man nur ein- oder zweimal voneinander hört oder der kontakt gleich wieder einschläft: macht nix. diesmal freue ich mich über die gute zeit und kann zu dem großen haufen unangenehmer erinnerungen eine große ladung schöner dazu tun.

sogar den damaligen jahrgangsstufenleiter (mittlerweile seit einigen jahren im ruhestand) verschlug es durch einen zufall in „unsere“ kneipe. das war sehr nett! immerhin war er an meiner berufswahl nicht ganz unschuldig: ich hatte bei ihm französischunterricht, und der war gar nicht so schlecht. zwar nicht meine lieblingssessions, aber durchaus ok. der mann war ein fairer lehrer und nahbar.
einen noch deutlich größeren anteil hat eine gar garstige schnepfe - weil sie mir sinngemäß sagte, ich sei für ihren kurs und eigentlich auch für „ihr“ elitegymnasium (haha ...) zu dämlich. das hat sie nur wenig verbrämt. die hat in mir ehrgeiz und kampfgeist geweckt. beides habe ich in r. dringender gebraucht als sprachkenntnisse - und beides nutzt mir auch heute noch. aber die schnepfe muss ich nicht unbedingt wiedersehen, um mich zu bedanken.

leider war das schöne we am so. nach dem spätstück schon wieder vorbei ... mit dee und ihrem mann hätte ich gern mehr zeit gehabt. aber so ist es ja ungefähr meistens - und schön, dass man lieber noch länger bleiben möchte; allemal besser als den moment der abreise herbeizusehnen.
die rückfahrt war dann ein ganzes ende schneller als die hinreise, weil der verkehr flüssig war - und die kaffeepause kurz. knapp 4 stunden brutto. find ich okay. verbrauch diesmal: 8,6 l/100 km. auch sehr okay.

mitgebracht habe ich mir neben einer ladung schöner erinnerungen einen schnuppen und kopfweh - die beiden letztgenannten sind das einzige, auf das ich gern verzichtet hätte.

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