2013-05-14

#480 - Twitter geht heute echt nicht ... #rant


So, eine bekannte Schauspielerin bestimmte Frau hat also invasive Krebsvorsorge betrieben. Und prompt bricht die Twelt in Hohn und Spott und ein finsteres Bashing ihrer Entscheidung aus, und ich möchte im Strahl kotzen. Hätte sie sich selbigenorts je einen Liter Silikon implantieren lassen, es hätte vermutlich beifälliges Geschrei gegeben à la "geile Alte", wahlweise "sie hatte es doch gaaaaar nicht nötig". Und in China wäre ein Fahrrad umgefallen. 
So aber ist meine TL voll von sehr, sehr ätzenden Bemerkungen über eine sehr persönliche Entscheidung. Und das ist richtig widerlich. 
@kittykoma fasst es in wenigen Worten zusammen: "Sollen sie heute alle die Angst vor der eigenen Vergänglichkeit in Witze drücken und dabei ihre Eier streicheln. Ich bin off." Ganz ihrer Meinung. #twoff 
(Ich reg mich jetzt über die Idiotie der Witzemacher und „Wie kann sie nur“/“kein Hirn…“-Fraktion nicht weiter auf. Aber es fällt schwer!) 

Kommt mir das nur so vor, oder ist Twitter in der letzten Zeit zunehmend unlesbar geworden? Jeden Tag ein Sack voll wortinkontinenter Hasspocken, die zu exakt allem eine total solide Meinung haben? (die mir, btw, das Nackenfell aufstellt und die ich unter „white male supremacy“-Zeugs zusammenfassen würde.) Etliche Kerle sowieso (und die, die ich nicht lese, werden mir in die TL retweetet), aber auch erschreckend viele Frauen. Ja, Mädels, ihr seid echt total cool und geil, wenn ihr euch an die Kerle ranwanzt, indem ihr eure Geschlechtsgenossinnen runtermacht. Neinnein, ihr kommt dafür in den Himmel, kriegt nur die guten Kerle ab und rasend viel grandiosen Säggs sowieso. *kopf>tisch*

Eigentlich habe ich Twitter bisher wirklich gern genutzt. Aber seit ein paar Wochen geht das bestenfalls in homöopathischen Dosen. Man sieht es an meiner Aktivität. Und ja: es fehlt mir.
Eigentlich gefällt mir die Möglichkeit sehr, Informationen, Links und Geschnatter zu Themen zu lesen, die mich interessieren/berühren/lachen machen usw. und dazu keine Zeitungen oder sonstige „Meinungsführer“ nutzen zu müssen, deren Meinung für mich vor Allem oft eins ist: irrelevant (alternativ: ü-ber-haupt nicht meine). Nein, ich will nicht nur lesen, was ich denke. Aber auch! Und ich will auch nicht ununterbrochen virtuell gebasht werden (auch wenn das gar nicht mich als mich persönlich meint), weil ich bestimmte Sachen erheblich anders sehe als "die Meinungsführer". Das ist nämlich der tiefere Sinn von Meinungsfreiheit: Es steht mir frei, zu meinen, was ich will. Und das ggf. auch äußern zu dürfen, ohne dafür direkt und unmittelbar virtuell oder realiter verbal oder sonstwie verdroschen zu werden. 

Dass ich schon immer eher ein Außenseiter war - geschenkt. Dass meine Meinungen nicht unbedingt Mainstream sind - ebenfalls geschenkt. Aber ich will mich, verdammt noch mal, unbehelligt darüber freuen können, dass ich nicht der einzige Spinner mit einer so und so gearteten Meinung zum Thema X auf diesem großen Planeten bin – und bis vor einiger Zeit war das auf Twitter auch durchaus möglich. 

Insofern werde ich jetzt a) mein Gezwitscher noch weiter runterfahren, b) die TL sehr radikal ausmisten und c) überlegen, ob ich mir das überhaupt weiter antun mag. 

Schade. Wirklich schade. 

#rant

Kommentare:

mayhem hat gesagt…

"Ja, Mädels, ihr seid echt total cool und geil, wenn ihr euch an die Kerle ranwanzt, indem ihr eure Geschlechtsgenossinnen runtermacht."

Genau das Verhalten kann man nicht nur auf nahezu jeder Website, auf der Menschen interagieren (von Fratzenbuch bis manchmal auch blogger), sondern auch immer wieder im realen Leben beobachten und ich rege mich jedes mal wieder ganz wunderbar darüber auf :D
Dachte eigentlich nicht, dass sich dieses zwanghafte Bedürfnis, die eigene ach-so-lässige Ultracoolness zu demonstrieren/konstruieren über die Anfangspubertät hinaus erhält..
leider falsch gedacht, unsere Dorfmuttis sind genauso.

Ansonsten hatte ich ja zeitweilig die mutige/wahnsinnige Idee , mich in die Twitter-Welt zu stürzen, für all die (mehr oder weniger) glorreichen Geistesblitze, die viel zu kurz für einen Blogeintrag sind...
Mal sehen.

hühnerschreck hat gesagt…

das ausmisten der timeline hat wunderbar geholfen. auch gut dabei: ich bin ein paar böse retweet-und-labertaschen losgeworden, durch die mir die guten tweets oft untergegangen sind.

ich freu mich :D