2011-07-05

#278 - freund hein von der schippe gesprungen oder: memento mori

kein witz, leider. wenn ich meine dusselbirne durchgesetzt und am so.-abend aus MUC losgefahren und nicht zum notarzt gegangen wäre, dann läge ich jetzt, an viele lustige schläuche und seeeehr spektakuläres elektronik-überwachungs-equipment angeschlossen, schwerst krank oder sterbend auf einer intensivstation. wegen einem bienenstich.

naja, stimmt nicht ganz - wegen einer sepsis lymphangitis, die sich aus einer staphylokokken-infektion entwickelt hat. und die kokken hab ich - genau! - von der biene.

andere leute haben spektakuläre unfälle oder verletzen sich wenigstens mit/an was richtigem. (herzbruch zählt nicht!)). ich lass mich von einer biene stechen und fang mir dabei eine staphylokokken-infektion ein. die sich auch prompt richtig auswächst. eigentlich ist das zu bescheuert, um wahr zu sein ... selbst die ärzte haben das nicht allzu oft gesehen und waren hinreichend beeindruckt. und wenigstens hat das kleine pelztierchen sein bienenleben teuer verkauft.

was war passiert?
am sonnabend sticht mich ein bienchen in den handballen, das sich offensichtlich an meinem zopf verfangen hat. wenig licht in kombination mit rotbraunem zopf und brauner biene = perfekte tarnung. leider tödlich für die solchermaßen getarnte. (eine wespe hätte ich wahrscheinlich gesehen.)
am sa.-nachmittag stelle ich fest, dass ich am handgelenk und am unterarm streifige rote flecke und eine stark juckende schwellung hab. der daumenballen selbst ist auch dick, schmerzt und juckt.
am so.-vormittag habe ich schmerzen bis in die achselhöhle und quälenden juckreiz. ein unregelmäßig breiter, roter streifen steigt vom handballen auf und verschwindet in meiner achsel. ich denk mir so, "also das sieht jetzt so aus, wie ich mir eine blutvergiftung vorstelle. hätte ich mich verletzt, würde ich jetzt anfangen, mir sorgen zu machen. aber es war ja nur ein BIENENSTICH. davon kriegt man keine blutvergiftung." aber auch die lieblingsschwester guckt besorgt. ich wimmele ab. schließlich will ich niemandem grund zur sorge geben, und neinnein, sooo schlimm ist es ja nun auch nicht. das bisschen jucken und schmerzen ... ich bin wohl einfach ein bisschen allergisch auf insektenstiche.

am späteren nachmittag, als wir eigentlich zum toll.wut-fest wollen, hat sie mich dann aber so weit, dass ich nachgebe und denke, okay, wenn ein doc draufgeguckt hat und nix ist, fühlen sich alle besser. und zugegeben fühl ich mich ja schon etwas angeschlagen und fröstelig. ich schiebe die müdigkeit aber auf das antihistamin und schelte mich innerlich ein weichei. und so richtig warm war es ja auch wirklich nicht.

im großhaderner klinikum folgt zuerst ein lustiger irrlauf durch einen fuchsbau mit - haha - klinikcharme. dann anderthalb stunden warten. als ich dran bin und in einem nebensatz erwähne, dass ich eigentlich heute nacht nach lpz zurückfahren wollte, guckt die ärztin hoch. man sieht, wie sie luft holt, um mich zu fragen, ob ich VÖLLIG BESCHEUERT sei. sie atmet stattdessen ein-, zweimal durch und meint, das sei keine so gute idee, denn dann würde ich so gegen 23:00 umfallen. ich denke, ui, super: gegen 23:00 wäre ich meiner planung zufolge etwa am hermsdorfer kreuz gewesen - weit weg von allem - und hätte viel zeit gehabt, auf dem seitenstreifen aus dem sitz zu kippen, ehe auch nur jemand verdacht geschöpft hätte.
sie ordnet eine blutentnahme (STAT) und eine sofortige infusion mit was antibiotischem an, verschreibt mir ein hammer-antibiotikum, mit dem man vermutlich aus einem sumpf lupenreines trinkwasser machen könnte, und sagt, ich möchte mal bitte der lieblingsschwester bescheid sagen. man denke intensiv über eine stationäre aufnahme nach.
dann stellt sich auch noch heraus, dass ich grade anfange, fieber zu bekommen. perfektes timing, könnte man sagen.
die lieblingsschwester sitzt neben meiner liege, während eine flasche amoxicillin und ein beta-irgendwashemmer in meine vene tropfen, und versucht vergeblich, ihre große sorge zu verbergen. ich gebe galgenhumor zum besten und versuche ebenfalls, mir meine zunehmende angst nicht so sehr anmerken zu lassen.
die krankenschwester umrandet mit schwarzem edding den aktuellen verlauf der roten spur an meinem arm.
dann bekomme ich noch einen dekorativen kühlverband und ein "eintrittskärtchen" für anderntags, zur kontrolle. direkt mit der ansage, wenns schlimmer oder auch nur nicht besser wird, muss ich wiederkommen und werde stationär behandelt. ich fühle mich ... dizzy. lightheaded. mulmig.

auf dem rückweg entschuldigt sich die lieblingsschwester für ihre übervorsicht. hey, süße, du HAST MIR MEIN PUTZIGES KLEINES LEBEN GERETTET! lies: das war keine übervorsicht ... ich weiß nicht, wie ich ihr danken soll.

abends gucken wir zu dritt den fernseher leer und essen dazu selbstgemachten flammkuchen. meine gedanken rennen im kreis, langsam sickert durch, was ich da grade erlebe. als ich im bett liege, kriecht die angst hoch. ich lausche in meinen körper, fühle das dumpfe pochen im arm und in der achselhöhle und frage mich, ob die schmerzen in der brust jetzt meine hypochondrie sind oder ernstzunehmen. und dito der schmerzende nacken. irgendwann falle ich in einen unruhigen, von wirren angstträumen zerstückelten schlaf.

die kontrolle am mo.-morgen vermeldet glücklicherweise eine gute entwicklung, die medikamente schlagen offensichtlich an: der rote streifen wird blasser und bildet sich zurück. man erklärt mir aber, dass ich noch nicht selber autofahren sollte. dass ich wirklich krank bin, hat sich inzwischen sogar zu mir rumgesprochen.

immerhin darf ich heim und mich hier in die hände der mediziner begeben. jpat holt mich ab. lässt in der firma alles stehen und liegen (und da liegt genug!), setzt sich in seine fliegende schrankwand und bombt nach MUC runter, damit ich nicht warten muss.
abends ein kleines steak und ins bett gegen halb zehn.

heute mittag hat sich die ärztin den arm auch nochmal angesehen, mir schonung bis freitag verordnet (dann könne man drüber reden (!), ob ich mich wieder als gesund betrachten dürfe) und mich für morgen zur kontrolle wieder bestellt.

ja, ich grusele mich. und ich bin der lieblingsschwester und jpat so dermaßen unglaublich dankbar!!!! und so ganz weg ist die angst noch nicht ...


edit, damit die nörgler zu nörgeln aufhören: okayokay, es ist ne lymphangitis. die man früher(tm) auch blutvergiftung nannte. zufrieden?

Kommentare:

JULiANE hat gesagt…

Ach Du liebe Zeit!
Ein Hoch auf alle kleinen Schwestern!
Und Du bist sicher, dass das nur von einer süßen kleinen Honigbienlein verursacht wurde?!

"dass ich wirklich krank bin, hat sich inzwischen sogar zu mir rumgesprochen" - LOL - sehr cool!!

Gute Besserung.

til_o. hat gesagt…

Das muß eine Schmuddelbiene gewesen sein. Die stechen einfach so – ohne Desinfektion.

Aber mit einer Portion Lebensgefahr im Nacken, von welcher Art auch immer, scheint es sich flott zu schreiben.

Anonym hat gesagt…

Was die Leute alles Sepsis nennen!!
Das ist eine Lymphangitis!!!!!!
Hat nicht die geringste Spur mit Sepsis zu tun. Bei Sepsis gibst garantiert Intensivstation, Koma und sonstige unschöne Sachen. Steak schmeckt da überhaupt nicht.

Hühnerschreck hat gesagt…

ohh, verzeihung, habs mir nicht korrekt notiert. war grade mit fieberkriegen und krankwerden beschäftigt.
nebenbei: das ganze war trotzdem unangenehm und viel zeit hätte ich wohl auch nicht mehr gehabt. ich kann halt nur wiedergeben, was mir die weiße wolke gesagt hat - da ich studiertes wörterbuch und derzeit müllfrau bin.
die icu hat man mir ja nebenbei auch angedroht, wenn ich denn gefahren wär.
nun denn, sei's drum, danke für die erhellung und auch weiterhin nen schönen tag.

Hühnerschreck hat gesagt…

@ juliane: danke! ja, es war wirklich eine biene, die kleine leiche wurde nochmal besichtigt (und an dem stachelende in meinem handballen hing noch n stück tierchen dran.) nun weiß ich auch, woher der ausdruck "mistbiene" kommt ;o))

kittykoma hat gesagt…

Wenn sie dann demnächst von nem mückenstich die pest bekommen, stellt man sie für geld aus.
gute besserung!