2007-09-19

vergraste querverbindungen

eben bin ich, ausgelöst durch einen post von cabman, über eine erinnerung gestolpert. er fragte nach erfahrungen mit diesem speziellen grün- (oder braun-) zeug, das man ja auf die verschiedensten weisen zu sich nehmen kann, meistens geraucht, manchmal auch gespeist ...

und in einer staubwolke war sie wieder da, die erinnerung an diesen spätsommerabend, den ich zusammen mit einem sehr seltsamen ex (der damals noch kein ex war) bei einer kommilitonin von mir verbrachte. wir waren zum essen geladen, und als nachtisch gab es kekse. getunte kekse.

nun hatte ich mit gras zu dem zeitpunkt praktisch keine erfahrung und folglich auch nicht den leisesten schimmer, wieviel ein rookie da verträgt, ohne grüne männchen zu sehen oder die anderen totzulabern (das kann ich auch ohne nicht legale substanzen ...) also verputzte ich fast nen ganzen keks, sukzessive und durchaus mit einigem genuss ob der unbekannten geschmacksrichtung schoko-gras.

zunächst merkte ich wirklich gar nix. nada, niente, rien, nothing. deutlich später dann (eine stunde??) wurde mir der mund trocken. aber so richtig staubig, klebrig. und alles trinken half nix - und übrigens vergaß ich das trinken dann auch nach und nach. an die gespräche kann ich mich nicht mehr erinnern, nur an den geist, der über den unterhaltungen schwebte, und das war was mit fernweh und reisen.

ja, und dann schlägt irgendwas in mir drin ein wie ... - ja, wie eine bombe eben. BUMMMM! ich sehe mich selbst, wie ich, grinsend an die wand gelehnt, den unterhaltungen um mich herum zuhöre, auf das, was der ex zu mir sagt, reagiere ich irgendwie zeitverzögert, wenn überhaupt. und irgendwann brechen wir dann auf. der gepflegte, aber unsanierte hausflur in dem altbau, die in der tür stehende gastgeberin und ihre lachend gerufenen worte "bring sie heil nach hause, so etwas kosstbares bekommst du nie wieder" sind wie ein mit blitzlicht fotografiertes bild als flashback-artiger videoclip in meinem hirn festgehalten. keine ahnung, wie ich die treppe runter und ins auto gekommen bin.

eine völlig surreale fahrt durch die stadt schließt sich an. aus irgendeinem mir völlig unerfindlichen grund fährt der ex eine runde um den ring (das liegt nicht in unserer richtung) und beschließt, seiner haus-baustelle einen besuch abzustatten (nachts um ichweißnichtwann - um drei?).
und ich sitze neben ihm auf warmem leder und tauche durch die realitäten wie durch einen farblosen wackelpudding mit haut obendrauf - so von unten nach oben, und die puddinghaut dehnt sich über meinem kopf, sodass ich durch die eine realität hindurch in die nächste gucken kann. der beleuchtete innenstadtring und die karli sind eine abfolge sehr bunter videoschnipsel, die aussehen wie mit einem farbverstärkenden filter bearbeitet.
die dunkelheit ist viel dunkler als sonst. und die blauen lichter einer reklame (?) sind so leuchtendblau, dass sie mir schier das hirn rausbrennen.
die roten rücklichter der autos um uns herum ziehen spuren hinter sich her wie in einer langzeitbelichtung, die fahrräder etwas dunklere als die autos, der ex redet irgendwas, was ich absolut nicht mitschneide, und ich versuche ebenso erfolglos, ihm meine höchst bemerkenswerten eindrücke der umwelt mitzuteilen ...
dann tintige schwärze am stadtrand, nur zerrissen durch die scheinwerfer der autos und ein paar rotglühende rücklichter, die vor dem auto zu fliehen scheinen.
um die hausbaustelle noch viel tintigere schwärze und der ex, der versucht, mich zu einer nächtlichen besichtigungstour zu überreden. ich weigere mich und verweise darauf, dass ich definitiv viel zu breit bin, um überhaupt alleine aus dem auto rauszukommen, geschweige denn in einem dunklen rohbau ohne treppen rumzuklettern, trotzdem insistiert er. aber ich weiger mich lachend weiter, und so klettert er alleine.
die schwärze scheint nicht nur wattig-samtig um alles herumzuliegen, sie scheint auch ins auto reinzukrauchen wie nebel durch die ritzen, aber es ängstigt mich nicht. stattdessen finde ich es nur seltsam und denke "komisch, das macht sie sonst aber nicht ..."
und dann ist der ex urplötzlich wieder da und wir fahren, und die realitäten machen wieder dieses seltsame wackelpudding-haut-ding, und ich finde, dass es nun für heute reicht, und will die augen zuklappen, aber das geht nicht, die klappen von alleine wieder auf, und plötzlich stehen wir vor seiner wohnung im flur und ich hab keine ahnung, wie ich da hingekommen bin, und das bett ist auch irgendwie lebendig, aber immerhin kriecht da nix, und die schwärze ist fast zu greifen und wird nur von dem sepiafarbenen lichtkegel der nachttischlampe zerteilt, aber das licht macht auch aus allem, worauf es trifft, eine sepiafarbene uraltaufnahme.

und dann werde ich plötzlich wach und es ist heller lichter tag und mein kopf ist mit nachtwatte ausgestopft, aber sonst geht es mir unerwartet gut.

und dieses seltsame erlebnis ist für mich nun seitdem der grund, die finger von dem grünzeug zu lassen, was wohl auch besser ist - die sepiafarbenen nachtwatteaufnahmen im kopf hab ich ja nun, und das nachentwickeln geht ganz schnell, ich muss nur über eine gepostete frage stolpern, und schon ist alles wieder da ...

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