2007-04-17

Party @ Mercedes @ AMI

Als alter Motorfan hab ich mich sehr über die Einladung zur Mercedes-Party bei der AMI gefreut. Sweetheart hat immer solche erfreulichen Überraschungen in petto - er ist einfach der Beste!

Nur dass die Sache dann heute doch deutlich anders lief als erwartet.

Zunächst der übliche Aufbruchsstress - es war noch ein Job vorzubereiten, wenigstens so weit, dass er morgen früh in Angriff genommen werden kann. Das führte selbstverständlich zu grandioser Zeitplanung à la Hühnerschreck vom Feinsten - ich stehe zehn vor sechs erst unter der Dusche, und naTÜRlich dauert auch alles andere auch einen Tick länger als geplant. Wie immer also, langsam könnte ich es doch nun wirklich mal gelernt haben. Immerhin bin ich anderthalb Minuten, nachdem unser Abholer geklingelt hat, auch wirklich marschbereit, ein Novum ... oder fast.

Vor der Messehalle dann DER GROSSE EMPFANG Teil I: ein roter Teppich (oh Gott, muss ich da jetzt wirklich drüber? Ich hasse diese Art von Überraschungen!) und ein Lakai mit Zylinder in der Hand , der Türöffner spielt, und etwas bemüht wirkendes Valet Parking. Insgesamt wirken die anwesenden Begrüßer alle zu servil und devot, sodass ich mir schwer deplatziert vorkomme. Von bezahltem Personal hofiert zu werden wie Jräfin Koks vonne Jasanstalt macht mir nur in Ausnahmefällen Spaß. Heute nicht. Aber die anderen kennen das Spektakel schon vom letzten Jahr und nehmens gelassen. Okay, dann ich auch :o)

Im "Vestibül" dann erst mal gepflegte Leere - das hat man davon, wenn man bei solchen Einladungen pünktlich ist. Wenigstens war's keine Privatsession, bei der man die Hausfrau noch im Negligée und mit Lockenwicklern überrascht ... Getränk besorgt bekommen und zusammen mit Sweets diverse Leute begrüßt. Erste interessante Gespräche.

Dann geht der offizielle Teil los. Es ist inzwischen merklich voller geworden, um uns herum schlendert man in strammem Marschtempo zum Messestand, um bei Teil II der Begrüßungsnummer auch sicher nen Sekt zu ergattern. Die Mercedianer hier sind bedeutend weniger devot als die hired hands am Eingang zur Halle, dafür herzlicher - erfreulich!, erste bekannte Gesichter. Wir bewaffnen uns mit noch nem Wasser, begrüßen und werden begrüßt, es schließen sich weitere interessante Gespräche an. Langsam lässt auch die Anspannung nach.

Edles Ambiente, und die schicken Karossen des Konzerns und besonders der rote Viper direkt am Eingang zum Messestand tragen nicht wenig dazu bei, dass es mir anfängt, gut zu gefallen. Kurzer Rundgang über den riesigen Messestand, und ich bestaune die Sonderedition EDIT10N von mercedes in mattmetallic und edel - soooo ein schönes Auto! Auch Sweets hat glänzende Augen und ist kurz vorm Sabbern, obwohl er diese Nobelteile aus der Nähe kennt.

An unserem Stehtisch zurück, gibt es Getränkenachschub für die, die wollen (ich nicht), und es werden die ersten Häppchen gereicht, leckerstes Fingerfood made by Kempinski, Mercedes/DC lässt sich nicht lumpen. Sehr lecker das Ganze. Mehr oder weniger nebenbei startet der Redeteil. Gähn. Die Selbstdarstellers united haben ihren großen Auftritt, und alle freuen sich laut und wortgewaltig, was für feine Gäste aus Wirtschaft und Politik sich eingefunden haben. Sogar der Oberoberoberbürgermeister. Wow. Alle sind zuTIEFST beeindruckt. Mindestens. Geheimnisvolle Ankündigung des Conférenciers über den zweiten Programmteil: ein lautes Spektakel. Weiter geht er nicht ins Detail, und ich bin nicht die Einzige, deren Neugier wächst.

Danach wird aber erst mal das Büffet eröffnet, und es ist analog zum ersten Durchgang wirklich lecker!

Und dann startet ziemlich unverhofft, weil kurz nach viertel neun (wasn das für ne komische Zeit?!) mit einem geradezu Bayreuth'schen Festspielgong das angekündigte Spektakel. Musik wird laut, ein winziges bisschen Zeitversatz durch die Entfernung zwischen Bühnenlautsprechern und hinteren Lautsprechern. Ist halt wirklich groß hier. Der schwarze Vorhang, mit rotem Licht irgendwie akzentuiert, wackelt ein bisschen und wird (mit einigen Schwierigkeiten) aufgezogen. Und es erscheint ... ein Opel Kadett. Staunen. Ein sehr gepflegter, metallicblaugrauer Rüsselsheimer. Aus dem dicker Nebel/Dampf/Rauch wabert. Aus oberen Öffnungen am Dach, wie sich bei genauerem Hinsehen herausstellt. Dicke weiße Schwaden versperren den Blick ins Innere. Auf den Gesichtern um mich herum lese ich dieselbe Frage, die sich auch mir stellt: Häh?? Ich dachte, wir wären bei Mercedes ...? Die Musik wird poppiger, und dem Auto entsteigen zwei (junge???) Männer mit Zigarette. Ha, wasn Brüller. Die beiden stellen einander vor und machen ein paar launige Bemerkungen zum Opel (Audio-Ausgabe mit Akustiklack und so), und dann geht die Show endlich los. man singt ein klitzekleines bisschen schräg den One Note Samba und trommelt dazu "percussionmäßich" auf den Opel ein. Mit Händen und Füßen, und es ist sehr laut, wie versprochen, und sehr rhythmisch, und ich fange an, mitzuwackeln. Und denke nebenbei, Jungs, passt auf den schönen Lack auf.

Man singt jetzt was anderes und trommelt nachdrücklicher, unter anderem werden Geräusche durch das Zuschlagen der Türen erzeugt. Witzige Idee - erinnert an Stomp bzw. das, was ich vom Stomp kenne. Was zugegebenermaßen wenig ist. Mittlerweile wackelt ein Außenspiegel und fällt ab. Na gut, denke ich, dann müssen sie den nachher halt wieder anschrauben, bin aber immer noch gut unterhalten. Als Nächstes sind als Percussion-Instrumente Werkzeugkisten dran, diese blauen Fingermörder zum Aufschieben, die ich aus Remscheider Tagen noch gut kenne :o) Auch mit denen trommeln sie auf dem Kadett herum, unter anderem auf der Motorhaube, und ich fange an, mir ernstere Gedanken über den wirklich schönen Lack zu machen. Denn das klingt nicht nach Filzunterlage unter dem Kastenboden ... Und dann packt sich der eine die Antenne und zupft wie an einem Walking Bass dran herum. Und nochmal. Und dann knickt er die Antenne ein paarmal in sich, sodass sie sozusagen Kurbelform hat, und leiert munter zu dem Gesang. Das ist der Moment, wo ich anfange, die Augenbrauen hochzuziehen. Was solln das jetzt? hat der nen Klaps? Der macht doch die Antenne kaputt!

Und nun wird klar, dass der Opel hier zu Schrott verarbeitet wird, denn als nächstes schlägt der andere Trommlerfuzzi mit gewaltigem Lärm die Frontscheiben ein, die im weiteren Verlauf rausgedrückt wird, und auch die Percussion-Schlag"stöcke" werden derber, sieht aus wie dicke Rohre. Und klingt auch so. Mittlerweile werden auch auf dem Lack die ersten Beulen sichtbar. Die Percussion wird wilder und lauter, qualitativ aber auch besser. Und der Kadett leidet - und ich mit. Plötzlich ein Radiojingle, und ich frage mich, ob die nun allen Ernstes auch noch Radiowerbung machen wollen. Mittlerweile bin ich nicht mehr amüsiert, verfolge das Ganze aber noch mit fasziniertem Ekel oder sowas Ähnlichem.

An den Jingle schließt sich eine Pseudo-Verkehrsfunk-Durchsage an, die gar nicht enden will, Stau von Grönland bis Timbuktu, und nun tickt der eine Typ völlig aus: Er stimmt ein gorillamäßiges Urschrei-Gebrüll an, packt eine Axt und drischt, auf der Motorhaube stehend, auf das Armaturenbrett ein. Die Fetzen fliegen. Buchstäblich. Nach einigen Schlägen hält er das Radio an einigen Kabeln hoch, es sieht widerlich organisch aus, wie ein rausgerissenes Organ.

An dieser Stelle reicht es mir, und ich gehe zum Tisch zurück. Auf dem Weg dorthin sehe ich in vielen Gesichtern in meiner Umgebung ähnliche Emotionen, Unverständnis, "die spinnen doch" und "das tut schon beim Hinsehen weh". Immerhin bin ich nicht allein mit meinem Angewidertsein, aber das macht die Sache nicht besser. Die Partystimmung ist mir gründlich verdorben, und ich bin richtig froh, als mir Sweetest mitteilt, dass wir gehen müssen, weils in der Firma eine Havarie gegeben hat und der Elektriker nicht zu erreichen ist.

Wir verabschieden uns, und ich bekomme mit, dass dem Kadett mittlerweile alle Scheiben fehlen und er aussieht wie das Objekt eines abgrundtiefen Hassanfalls. Es ist seltsam, Ekel wallt in mir hoch, und ich bin richtig angefressen. Sowas hätte ich besten- (bzw. vielmehr schlechtesten-)falls von 18jährigen Jungspunden erwartet, denen man auf VW-Treffen im Wolfsburger Umland bzw. den Rüsselsheimer Pendants begegnet und an deren Breiter-Tiefer-Tuner-GTis launige Sprüche à la "Übelst Golf", "Wolfsburger/Rüsselsheimer Waffenschmiede" oder Ähnliches prangen. Nur aus dem Bereich kenne ich das Abschlachten (so empfinde ich es) und Zerdreschen eines Autos "der Konkurrenz". Aber ist Opel wirklich so eine Konkurrenz für die Mercedesse, dass man sich mit einer derartigen Nummer profilieren muss? Das beschäftigt mich auch auf der Heimfahrt noch, und Sweets kann es nachvollziehen. Auch ihm hat diese Klamotte nicht gefallen.

Fazit: Gutes Essen, schlechte Show, soweit ich es miterlebt habe. Drei minus, setzen.

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